Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Rhein-Berg e. V.

Mahnende Geisterräder und Investitionen gegen den Tod auf den Straßen

Mahnende Geisterräder und Investitionen gegen den Tod auf den Straßen, eine notwendige “Radvolution” in den Köpfen

Ein Geisterrad wird in Gummersbach aufgestellt
Ein Geisterrad wird in Gummersbach aufgestellt © Ralph Krolewski

Ausgelöst durch den Tod des Fahrradaktivisten und Bloggers “Natenom” auf einer Landstraße bei Pforzheim und den bundesweiten Reaktionen haben wir als ADFC-Mitglieder am 24.02.26 in der Gummersbacher Innenstadt  einen Infostand mit “Ghost-Bike” und Artikeln zu tödlichen Fahrradunfällen auf den Straßen durchgeführt. Ein Fahrradhändler hatte ein Rad spendiert, welches für die Aktion kostenlos durch einen Lackiererbetrieb weiß gefärbt wurde.

Regen und kühle Temperaturen hielten uns nicht auf, das Ghost-Bike, den ADFC-Pavillon, Tapeziertisch und Materialien auf Lastenbike und Fahradhängern zu transportieren bei einer maximalen Fahrstrecke von einem Teilnehmer von 25 km. Bunte Flaggen machten neben Warnwesten und Beleuchtungen den ADFC-Transport nach Gummersbach unübersehbar.

Fünf Stunden hatten wir die Genehmigung für einen Stand in der Fußgängerzone, direkt gegenüber der Sparkasse. Ich hatte die Phantasie, dort hineinzugehen und einen 150 Mio. Euro-Kredit zu beantragen für absolut 258 km sichere Radhauptrouten und Nebenrouten zwischen den Oberbergischen Mittel- und Nebenzentren mit Gummersbach als Drehkreuz. Spannend wäre dann die Diskussion zur Tilgung der Kredite als Zukunftsinvestition der öffentlichen Hand und Sicherheiten. Eine Sicherheit wäre natürlich die Straßen- und Wegeinfrastruktur. In welchem Grundbuch ist sie eingetragen und welchen Wert und künftigen Wert hat sie, wenn Radwege nicht getrennt erfasst sind? Wäre eine lange Diskussion bei der Sparkassendirektion gewesen und Bürgermeister und Landrat waren auch nicht sofort parat.

Wir behalten die Phantasie also im Hinterkopf und natürlich auch bereit für Investitionsplanungen.

Was die Geisterrad-Sitiution bei den durch PKW dominierten Verkehrsräumen und -wirklichkeiten mit erfahrener “motorisierter Gewalt” noch so an Gedanken zu aktuellen Situationen auslöst:

Im Kreisentwicklungsausschuss  am 16.11.23 wurden vom Planungsbüro "Stadtverkehr" die Ergebnisse zur Online- und Haushaltsbefragung zur Mobilität in Oberberg vorgestellt:

71 Prozent aller Wege mit PKW.

Keine weitere Differenzierung der Wegezwecke: Kinder zur Schule, Einkaufen, soziale Zwecke etc.

Fakt ist, dass Erwerbstätige meistens mit dem PKW fahren und die Betreuung ("social Care") von Familienangehörigen auch mit Fahrten und auch gekoppelten Fahrzwecken verbunden ist. Dafür bedarf es dann oft des PKW-Zweit-Fahrzeugs.

Die gender-Dimension von "Verkehr" tauchte niemals hier in der Diskussion auf.

Bei den durch das Planungsbüro "pragmatischen" Handlungsfeldern zum motorisierten Individualverkehr (MIV) wurde angeführt: Senkung der Zahlen von Zweit- und Drittwagen und Förderung von Car-Sharing.

Für Radverkehr wurden mögliche Handlungsfelder unter der Voraussetzung praktikabler und finanzierbarer Lösungen (benannt als “Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit”) aufgeführt:

  • Erhöhung des Radverkehrsanteils
  • Sharing-Angebot auf Kreisebene
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit
  • Schaffung einer Radwegeinfrastruktur an klassifizierten Straßen (Netzlückenschlüsse auf Basis des Radwegeinfrastrukturkonzeptes „Bergisches Rheinland“)
  • Schaffung eines flächendeckenden Radabstellangebotes

Also: Sicherheit wird es ohne Investitionen in getrennte Radwegestrukturen nicht geben. Nach derzeitigem Radwegestandard (ERA) reichen Randstreifen an Bundes- und Landstraßen oder kombinierte Rad-/Fußwege.

That's it!

Wie soziale Anlässe und Wege und Analysen dazu Verkehrspolitik und Planungen leiten, s. Niederlande u.a. Die fehlende Diskussion dazu hier führt zu völlig unsozialen Geisterdiskussionen ohne Zielsetzungen und ohne Antastung des PKW-Mantras (ohne PKW keine Mobilität in Oberberg).

Aus diesem Grund ist es wichtig, in der Zielplanung den MIV-Anteil bis 2030 unter 50 Prozent zu drücken, um Lebensräume für Anderes zu schaffen.

Ansonsten werden keinerlei Zielsetzungen zu Klima- und Gesundheitsschutz, Erhalt der Artenvielfalt und besserer Flächennutzung erreicht.

In Ründeroth haben jetzt Eltern angefangen, morgens Kinder in geschützten Radgruppen ("Bici-Bus") zur Grundschule zu begleiten. Die Kids sind ganz scharf darauf.

Es geht jetzt darum, dem bürokratischen “Verschwindenlassen” wesentlicher Gesichtspunkte bei Vermeiden von Bürgerbeteiligung entgegenzutreten. Sonst wächst die Zahl der Geisterräder an Oberbergischen Straßen im brausenden Verkehr, der scheinbar niemandem gehört.

Ralph Krolewski, Gummersbach, ADFC


https://rhein-berg.adfc.de/neuigkeit/mahnende-geisterraeder-und-investitionen-gegen-den-tod-auf-den-strassen

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