PM: Übergabe der Petition
Pressemitteilung zur Petitionsübergabe „Fahrradstraßen“ an den Bürgermeister der Stadt Bergisch Gladbach am 13.10.2026.

Aktuell 1263 Bürgerinnen und Bürger fordern: „Sichere Schulwege zu allen Schulen & Einrichtung von Fahrradstraßen!“ Unterschriften an Bürgermeister Kreutz übergeben
Stellvertretend für zahlreiche Bergisch Gladbacher Bürgerinnen und Bürger hat Bernhard Werheid vom ADFC Rhein-Berg am heutigen Dienstag über 1060 gesammelte Unterschriften an Bürgermeister Marcel Kreutz übergeben. Die Unterzeichnenden fordern, den Ausbau des Radverkehrsnetzes einschließlich der geplanten Fahrradstraßen fortzusetzen. Es sollen sichere Wege für alle Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden, insbesondere sichere Schulwege für alle Kinder und Jugendlichen im Stadtgebiet.
Die Unterschriften waren in den letzten 7 Tagen online gesammelt worden; ihre Übergabe fand unmittelbar vor der Sitzung des Stadtrats statt. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, bildeten Fahrradfahrer vor dem Eingang des Rathauses symbolisch eine Fahrradstraße samt Beschilderung.
Der Initiator zeigt sich erfreut, dass in so kurzer Zeit eine vierstellige Zahl an Unterschriften zusammenkam: "Innerhalb von nur einer Woche haben 1062 Menschen für Fahrradstraßen und sichere Schulwege unterzeichnet - und das ganz ohne große Werbetrommel. Offenbar hat die Petition einen Nerv getroffen: Viele sind empört darüber, dass die CDU gemeinsam mit der AfD die Einrichtung von Fahrradstraßen komplett stoppen will. Diese faktische Aus des 2024 beschlossenen Radverkehrsnetzes möchten wir nicht zulassen! Die örtliche Politik sollte endlich verstehen, dass die Schaffung sicherer Radwege kein Nischenthema ist, sondern integraler Bestandteil der Verkehrspolitik!"
Zu den Forderungen der Petition erklärt Bernhard Werheid: "Fahrradstraßen schaffen sichere Verbindungen und ermöglichen es so, dass das Fahrrad zur echten Alternative wird. Solange Menschen sich im Alltagsverkehr nicht aufs Rad trauen, haben sie keine Wahlfreiheit: Sie sind zur Nutzung des Autos gezwungen - oder abhängig vom begrenzten Busangebot. Gerade Eltern haben oft Angst, ihre Kinder mit dem Fahrrad zur Schule oder zu Freunden fahren zu lassen. Deshalb brauchen wir endlich sichere Fuß- und Radwege zu allen Schulen im Stadtgebiet - einschließlich Schulstraßen und Fahrradstraßen!"
An die Adresse der CDU gerichtet fügt er hinzu: "Noch im Kommunalwahlkampf 2025 hat der Bürgermeisterkandidat von CDU und FDP, Alexander Felsch, vollmundig versprochen, viel mehr Geld in Radwege zu investieren. Er kritisierte, dass in zwei Jahren von geplanten 5 Millionen für den Radverkehr deutlich weniger als eine Million tatsächlich ausgegeben wurde. Doch nun steht die CDU als größte
Stadtratsfraktion auf der Bremse: Erst streicht sie Stellen im Mobilitätsmanagement, nun will
sie den Ausbau des Radverkehrsnetzes beerdigen. Dass sie gleichzeitig öffentlich 'Priorität für
Sicherheit auf dem Schulweg' fordert, wirkt da wie blanker Hohn."
Zum Hintergrund:
Während Fahrradstraßen in unseren Nachbarstädten längst selbstverständlich zum Stadtbild
gehören (in Köln waren es 2023 schon 48 Stück), sind sie in Bergisch Gladbach noch "terra
incognita". Im Februar 2024 beschloss der Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen (AMV)
des Stadtrats den Ausbau eines stadtweiten Netzes aus 18 Radrouten sowie die Einrichtung
von 14 Fahrradstraßen auf den 4 zuerst zu realisierenden Routen. Der Beschluss war fast
einstimmig, auch CDU und AfD stimmten dafür.
Als Teil der Radroute F2 wurden im Stadtteil Frankenforst 2025 zwei kurze Fahrradstraßen-
Abschnitte in den Straßen Hasenweg und Nachtigallenstraße eingerichtet. Diese mussten
jedoch aufgrund eines Urteils des Verwaltungsgerichts Köln im Mai 2026 wieder demarkiert
werden. Das Gericht schloss Fahrradstraßen an dieser Stelle nicht grundsätzlich aus,
monierte jedoch, dass im Vorfeld der Ausweisung keine ausreichenden Verkehrsdaten
erhoben worden seien.
Am 29. September 2026 hob der neue AMV mit knapper CDU-AfD-Mehrheit (11 zu 10
Stimmen) den Beschluss zur Einrichtung von Fahrradstraßen auf. Die bereits angebrachten
Schilder und Bodenmarkierungen sollen demnach entfernt werden. Diese Entscheidung
wurde aufgrund von Verfahrensfehlern nachträglich für ungültig erklärt; der AMV wird sich
erneut mit dem Thema befassen müssen. Es ist zu hoffen, dass die CDU ihre grundsätzliche
anti-Fahrradstraßen-Position revidiert.



