Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Rhein-Berg e. V.

Von Maloja bis Scuol

Mit dem Rad auf dem schweizerischen Teil des Inntalradweg

Turm Belveder in Maloja

Eine Strecke über mehrere Tage mit dem Rad zurückzulegen ist eine Art des Reisens, die glücklich macht. Man verlangt sich etwas ab, erlebt die Umgebung intensiver und kommt an Orten vorbei, die sonst unentdeckt geblieben wären. Doch bevor es aufs Rad geht, lohnt ein kurzer Ausflug zum Turm Belvedere in Maloja, dem Startpunkt der Tour. Er ist das Wahrzeichen des Ortes und bietet einen sehr schönen Blick auf den Silsersee. Außerdem beherbergt er abwechselnde Ausstellungen. 

Der Radweg führt von Maloja zuerst auf der Hauptstraße nach Sils. In dem idyllischen Ort ließen sich einst Berühmtheiten wie Thomas Mann, Hermann Hesse und Friedrich Dürrenmatt inspirieren. Auch Friedrich Nietzsche hielt sich von 1881- 1888 hier auf. Ab Sils wird es verkehrsärmer, der Radweg wechselt die Uferseite und führt am Silvaplanersee entlang. Er folgt auf einem guten mineralischen Weg im Wesentlichen dem Ufer durch den Wald, dabei ab und zu leicht auf und ab. Wenn die Sonne scheint spiegelt das kristallklare Wasser den blauen Himmel. In Silvaplana geht es über die Innbrücke zum nächsten See, dem Champfersee, mit herrlichem Blick auf das sich den Berg hochziehende St. Moritz. Da der Radweg in dem mondänen Urlaubsort direkt am Seeufer durch das Zentrum führt, lohnt ein Stopp in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants. Der Radweg folgt dem jungen Inn vor der grandiosen Bergkette des Oberengadin nach Celerina. Markant liegt die Kirche „San Chian“ aus dem 14. Jahrhundert auf einem Hügel. Sehenswert sind die Holzdecke und Fresken. Die Kirche gilt als Wahrzeichen für die gesamte Region. Ein Katzensprung entfernt liegt die Talstation Punt Muragl. Die Bergbahn gilt als die älteste Standseilbahn des Engadins. Sie wurde 1907 in Betrieb genommen und überwindet auf einer 2.2 km langen Strecke gut 700 Höhenmeter. Oben auf 2453 m ü. M. eröffnet sich eine grandiose Aussicht auf das Engadin mit seinen wie auf einer Perlenkette aufgereiten Seen und das Berninamassiv. Nach dieser lohnenden Unterbrechung lässt es sich gut weiterradeln. Vorbei an Samedan, dem Hauptort des Oberengadins mit seinen stattlichen Patrizierhäusern im historischen Ortskern, wird Bever erreicht. Bever ist das Märchendorf des Engadins, verträumt und poetisch. Die traditionellen Engadiner Häuser sind mit kunstvollen Sgraffiti geschmückt. Die Kratzverzierungen an den Aussenwänden erzählen die Geschichten der Familien, die in ihnen gewohnt haben. Ein Rundgang lohnt und auch eine Übernachtung. Der Inn-Abschnitt bei Bever ist besonders erwähnenswert. Hier wurde der Fluss wieder renaturiert und darf sich seinen Weg wieder selbst suchen.

Die nächste Etappe von Bever nach Zernez führt durch die weite Oberengadiner Landschaft entlang des Inns. Die Strecke verbindet die typischen Engadiner Dörfer mit der unberührten Natur am Rande des Schweizer-Nationalparks, z. B. La Punt Chamues mit seinen stattlichen Patrizierhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert oder Zuoz, das Dorf mit den schönsten Engadiner Häusern. Sie wollen bei einer Rast zur Stärkung für das kommende Teilstück entdeckt werden. Dieser Abschnitt erfordert erhöhte Aufmerksamkeit geht es doch auf Waldwegen und Schotterstrecken bergauf und bergab, teilweise steil. Doch der Ausblick lässt alle Qual wieder vergessen. Für die nötige Kraft sorgt dann auch ein landestypisches Abendessen in Zernez. Leider brannte der Ort im 19. Jahrhundert bis auf 40 Häuser ab, daher finden sich hier nur wenige typische Engadiner Häuser. 

Gut ausgeschlafen geht es auf die letzte und schönste Etappe nach Scoul. Sie führt durch die typische Kulturlandschaft des Unterengadins, vorbei an historischen Dörfern, sonnigen Terrassen und eindrucksvollen Ausblicken auf den Inn und die umliegenden Dreitausender. Nach Susch mit seinen aus dem 13. Jahrhundert stammenden Wohntürmen erreicht der teils asphaltierte teils geschotterte Radweg den Ort Lavin. Leider brannte auch dieses Dorf 1869 bis auf die Kirche vollkommen ab. Der Wiederaufbau erfolgte im italienischen Stil. Ab hier verläuft der Radweg mit bis zu 9% Steigung bergauf nach Guarda. Guarda, hoch über dem Inntal, gilt als Musterdorf für rätoromanische Kultur und lebendige Tradition. Der Ort ist verkehrsfrei und hat sich sein ursprüngliches, Engadiner Ortsbild erhalten. Das Dorf ist eines der architektonisch wertvollsten Dörfer der Schweiz. Nun geht es wieder bergab aber kurvenreich nach Ardez. Da der Ort keine Feuersbrunst erlebt hat, ist der historische Ortskern sehenswert. Nach Ardez führt der Radweg wieder bergauf und bergab vorbei an markanten Felsformationen nach Ftan. Der Ort liegt auf einem Hochplateau mit wunderschöner Aussicht auf die Unterengadiner Dolomiten und das Inntal. Am Ortsende beginnt eine wunderschöne Abfahrt in Serpentinen in das Inntal und nach Scuol. Über 20 Mineralquellen sorgten für den Aufschwung von Scuol. Eine geführte Wanderung entlang ausgewählter Mineralquellen lädt ein zum Degustieren und gibt einen Eindruck in die Vielfalt, Entstehung und Anwendung der „aua forta“, der starken Wasser von Scuol und ihre Bedeutung für die Region, eine wohltuende Erfrischung am Ende einer spektakulären Radtour. 


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